Eher Forscher als Abenteurer

Flexibel, aufgeschlossen und belastbar – so sollte er sein, der perfekte Archäologe. Dieser Meinung ist wenigstens Tobias P., Er muss es nämlich wissen, immerhin hat er seinen Magister in Klassischer Archäologie gemacht. Schuld an seiner Leidenschaft für die Vergangenheit ist übrigens P.s Hündin Aska. „Bei den Spaziergängen nach der Schule mit meinem Dackel habe ich immer wieder kleine Funde gemacht. Unter anderem auch eine römische Scherbe“, erinnert er sich mit zurückschweifendem Blick. „Die Frage, woher solche Dinge kamen, hat mich nie wieder losgelassen.“ Als er dann noch Latein und Griechisch in der Schule bekam, war die Sache klar. „Immerhin waren das Grecum und das große Latinum Vorraussetzung für diesen Studiengang. Wozu habe ich das sonst gelernt?“
Dackel von markus platzbecker ww.pixelio.deSeine fast kindliche Freude am „Altertümlichen“ merkt man ihm auch heute noch an – lange nach den Spaziergängen mit Aska. Wenn er einmal anfängt über sein Thema zu sprechen, legt er richtig los. Die Schultern entspannt, die Augen klar, die Stimme fest. Nicht, dass er ins Dozieren verfallen würde. Nein, er erzählt, scherzt, erinnert sich, erklärt. Ein kleiner Witz hier und da schadet auch nicht. P. schafft es tatsächlich, seinen Zuhörern eine interessante Geschichte zu erzählen, bei der selbst ein komplexer Zusammenhang leicht wirkt. „Ich spreche gerne vor Publikum. Deshalb mache ich auch immer wieder Führungen.“

Einfach offen sein

Seine Leidenschaft und die Neugier, die er sich aus seiner Kindheit bewahrt hat, führte den 35-Jährigen auch ins „römische“ Mainz. „Aber es war nicht nur das provinzialrömische, das mich interessierte, sondern die gesamte Klassische Archäologe. Ich bin aufgeschlossen für alles.“ Deshalb belegte er im Nebenfach auch Vor- und Frühgeschichte und spezialisierte sich in seinem Hauptfach auf Vasenmalerei, Münzen sowie Kleinkunst, sprich kleine Bronzeplastiken oder Tonskulpturen. „Für mich ist es wichtig, dass man gerade in der Archäologie Interesse an vielen Themen hat und nicht engstirnig an einer Sache hängt.“
Genau das kann man P. nicht vorwerfen. „Für Archäologen ist es schwierig einen Job zu finden“, erklärt mit leicht resignierender Stimme. Deshalb habe er sich auch weitergebildet. Zuerst durch eine kaufmännische Fortbildung gemacht und jetzt durch das Seminar zum Online-Journalist. „Ich habe schon einige Artikel für die Zeitschrift ‚Antike Welt’ verfasst und sehe den Kurs als Chance, noch tiefer in die Materie einzudringen.“ Auch Marketing und Tourismus liegen für P. durchaus im Reich des Möglichen. Immerhin kann er schon eine Website sein Eigen nennen. www.burg-kloppo.de ist eine Hommage an den früheren 05-Trainer Jürgen Klopp und gibt zusätzlich einen Einblick in das Interessenspektrum des Archäologen.

Mit Zahnbürste und Spitzhacke

Zahnbuerste www.dieblen.deSeine Hauptthema ist allerdings immer noch die Archäologie. Wenn auch nicht unbedingt die handfeste Seite. „Ich bin eher ein Forscher als ein Abenteurer.“ Das Katalogisieren, Bewerten, Bearbeiten und Erarbeiten liegt im eher. „Aber wenn ich mal wo graben möchte, dann da wo es war ist.“ Oder in seiner Heimatstadt Mainz. Das hat er nämlich schon getan. „Ich war an zwei Ausgrabungen beteiligt. Dem römischen Theater am Südbahnhof und beim Isis-Tempel in der Innenstadt.“ Als Grabungsassistent hatte er hier für eine ganze Weile zu tun. „Die Aufgaben und Materialien sind vielfältig“, weiß er. „Für die Feinarbeit braucht man Kelle, Zahnbürste oder Staubsauger, für die gröberen Arbeiten Spitzhacke, Schaufel und Schubkarren.“ Nur bei einem muss man aufpassen: „Die schönsten Sachen sind manchmal leicht zu übersehen, vor lauter Rost und Schlamm. Schlimmstenfalls denkst Du es ist Müll und schmeißt es weg.“
Ein paar Dinge hat P. damals schon gefunden. „Vor allem Öllämpchen.“ Welches in den Vitrinen allerdings von ihm ist weiß er nicht. „Die sehen ja alle gleich aus.“ Lieblingsstück aus dem Isis-Tempel ist die unförmige Figur eines Mannes. „Es ist  so etwas wie ein Voodoo-Püppchen. Die Skulptur wurde zerbrochen und verdreht gefunden. Direkt neben den Fluchtäfelchen. Wahrscheinlich hat man ihm etwas sehr böses gewünscht.“ Der Forscher in ihm zieht die Arbeit im Büro der Arbeit vor Ort allerdings vor. Man braucht spezielle Kleidung, wird dreckig und es ist ziemlich anstrengend. Ich würde das nicht gerne als Beruf machen.“ Aber immerhin kann man nicht nur draußen im Feld, sondern auch hinter dem Schreibtisch die ein oder andere Entdeckung machen. „Das ist nämlich das spannendste an dem job: Wenn man wirklich etwas findet.“ So wie damals bei dem Spaziergängen mit Aska.

Portraits meines Mitschülers Tobias P.